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  • AutorenbildSusanne Barrios

Kennst Du Deine Antreiber?

Kennst Du Sie auch, die Stimme, die manchmal Dinge zu Dir sagt wie: "Ohne Fleiß kein Preis" "Stell Dich nicht so an - ein Indianer kennt keinen Schmerz" "Da kannst Du jetzt nicht Nein sagen" "Das muss schneller gehen" "Das muss perfekt sein"?

Vielleicht hörst Du diese Stimme regelmäßig, vielleicht aber auch nur in besonders stressigen Situationen. Wir wollen dieser Stimme heute auf den Grund gehen und sie besser verstehen. Dazu tauchen wir ein in die Transaktionsanalyse, die uns ein besseres Verständnis darüber ermöglicht, wie wir reagieren und vor allem, was die Hintergründe für unser Verhalten und Denken sind.

In unserer Kindheit reagieren wir sehr stark auf ausgesprochene und unausgesprochene Anforderungen von unseren Bezugspersonen (Eltern, Verwandte oder andere enge Bezugspersonen). Wir sind in dieser Phase sehr stark abhängig von diesen Personen und versuchen unser Verhalten so anzupassen, dass unser Überleben gesichert ist indem wir den Anforderungen derer gerecht werden, die dieses Überleben sicherstellen.

Diese Erwartungen verinnerlichen wir und sie prägen uns unser ganzes Leben lang. Obwohl wir als Menschen die Fähigkeit haben, unser Handeln bewusst zu steuern, sind es doch immer wieder diese Prägungen aus der Kindheit, die uns auch als Erwachsene unbewusst beeinflussen.


Darum solltest Du Dich mit Deinen Antreibern auseinandersetzen.

Die Transaktionsanalyse geht davon aus, dass Gebote, Verbote, Regeln und Prinzipien, die unsere Eltern uns mitgeben, sich in 5 sogenannten Antreibern manifestieren. Diese haben sehr wahrscheinlich einen großen Anteil daran, wie Du bisher durchs Leben gegangen bist und haben Dich an den Punkt gebracht, an dem Du heute bist. Sie beeinflussen unser Denken, unser Fühlen und auch unser Verhalten. Wie bei vielen anderen Themen, gibt es sowohl sehr hilfreiche Aspekte Deiner Antreiber, und auf der anderen Seite auch hinderliche Aspekte. Hinderlich können die Antreiber insbesondere werden, wenn sie so stark und so laut sind, dass sie die Macht über Dein Denken und Verhalten bekommen und somit als Stressverstärker agieren.


Daher lohnt es sich, die Zeit zu investieren, Dir Deine Antreiber bewusst zu machen, um in der Zukunft besser mit ihnen umgehen zu können


Schritt Nr. 1 - Standortbestimmung

Im CareerReflAction-Programm arbeiten wir mit einem Antreiber-Test, Du findest aber auch im Internet verschiedene Möglichkeiten, so eine Selbsteinschätzung durchzuführen.


Alternativ kannst Du durch Beobachtungen im Alltag feststellen, welches wahrscheinlich Deine Antreiber sind. Lass uns dazu einen genaueren Blick auf die 5 Antreiber werfen und vielleicht findest Du Dich ja besonders stark in ein oder zwei der Beschreibungen wieder.


"Sei perfekt"

Kommen Dir die folgenden Sätze bekannt vor: "Das muss perfekt sein", "Mach keinen Fehler", "Perfekt ist nicht gut genug"?

Übererfüllst Du meist Deine Ziele? Kontrollierst Du gerne? Kannst Du auch mal 5e Gerade sein lassen, oder fällt Dir das schwer? Verlangst Du auch von Deinen Mitmenschen nahezu fehlerloses Verhalten? Tust Du viel, um Fehler und Inkompetenz vermeiden? Merkst Du immer als erstes, wenn ein Bild schief hängt? Hast Du häufig das Gefühl, dass es eine bessere Lösung gibt?


Wenn "sei perfekt" Dein Antreiber ist, erledigst Du Themen wahrscheinlich in aller Regel mit sehr hoher Qualität und gehst dabei sehr konzentriert vor, um Fehler zu vermeiden. Dabei kann es Dir passieren, dass Du viel mehr Zeit in Themen investierst als unbedingt notwendig wäre und durch Dein starkes Engagement ein hohes Stresslevel hast.


"Beeil Dich"

Sagt Deine Stimmer häufig: "Schnell schnell, mach schnell!"? Hast Du das Gefühl ständig in Eile zu sein? Sprichst Du schnell und antwortest Du sehr schnell? Fällst Du vielleicht Deinem Gegenüber häufiger ins Wort? Rennst Du Dingen nach und hast keine Zeit Dich zu freuen, wenn Du angekommen bist? Passieren Dir durch die Hektik Fehler? Passieren Dir in der Eile kleine Unachtsamkeiten - stößt Du Dich zum Beispiel häufig an Ecken und Kanten?


Wenn "Beeil Dich" Dein Antreiber ist, erzielst Du sehr wahrscheinlich rasche Ergebnisse und findest oft Wege, wie Du Dinge einfacher und schneller erledigen kannst. 80/20 ist für Dich gelebte Realität und Du ersparst Dir unnötige Arbeit. Dies kann auf Kosten der Qualität gehen und zu einer eher unstrukturierten, fehleranfälligen Vorgehensweise führen. Vielleicht spürst Du dabei auch eine innere Unruhe, bist oft ungeduldig, nervös und manchmal sogar hektisch.


"Streng Dich an" / "Bemüh Dich"

"Ohne Fleiß kein Preis" ist Dein Credo? Wenn Du an die Dinge, die Du tun musst, denkst - wird die Liste immer länger, egal wieviel Du abarbeitest? Fallen dir spontan zig Dinge ein, die im Haus oder der Wohnung noch zu tun sind? Gibt es viele private Themen, oder Dinge, die Du rund um Deine Familie und Freunde noch erledigen willst?


Du gibst Dir sehr wahrscheinlich große Mühe Deine Ziele zu erreichen und Deine Aufgaben zu erledigen und zeigst dabei eine hohe Leistungsbereitschaft und ein hohes Durchhaltevermögen. Auch schwierige Aufgaben gehst Du diszipliniert an. Dabei kann es passieren, dass Du Dich sehr stark unter Druck setzt und dabei auch über Deine Grenzen hinaus gehst. Wenn etwas leicht zu erreichen war, fällt es Dir vielleicht schwer, dies als Erfolg zu betrachten.



"Sei nett"

Flüstert Dir Deine Stimme zu, dass Du es allen recht machen sollst und immer liebenswürdig sein musst? Sind Dir andere manchmal wichtiger als Du selbst? Ist es für Dich wichtig, dass Andere sich wohlfühlen? Ist es Dir sehr wichtig geschätzt zu werden und beliebt zu sein? Ist Dir Freundlichkeit und Frieden wichtig? Gehst Du Konflikten gerne aus dem Weg? Hast Du oft Schwierigkeiten Deine eigenen Bedürfnisse zu definieren und zu artikulieren?


Wenn "sei nett" Dein Antreiber ist, hast Du wahrscheinlich den Wunsch, es Anderen recht zu machen und bist sehr motiviert, wenn Du Dinge für andere tust. Vermutlich hast Du auch ein hohes Einfühlungsvermögen, bist loyal und bescheiden und eine geschätzte Anlaufstelle für andere. Dabei bleiben Deine Bedürfnisse unter Umständen auf der Strecke, es fällt Dir schwer "Nein" zu sagen und Du machst Dein Selbstwertgefühl von der Akzeptanz anderer abhängig.


"Sei stark"

Kommen Dir Aussagen wie: "Ein Indianer kennt kein Schmerz" oder "Beiß die Zähne zusammen!" bekannt vor? Möchtest Du immer gerne Vorbild sein? Würdest Du andere Menschen nach dem Weg fragen, oder Dir eher nicht die Blöße geben? Bist Du sehr konsequent und ziehst die Dinge alleine durch, ohne fremde Hilfe anzunehmen? Zeigst Du Gefühle eher selten, auch nicht im vertrauten Raum? Hast Du Angst vor Verletzung und Abhängigkeit?


Wahrscheinlich bist Du sehr durchsetzungsstark, bewahrst auch in schwierigen Situationen die Ruhe und hast ein hohes Durchhaltevermögen. Dabei arbeitest Du sehr zuverlässig und gleichmäßig und zeigst eine hohe Selbstdisziplin. Deine eigenen Ressourcen verlierst Du dabei eventuell aus dem Blick, fragst nicht nach Hilfe und überlastest Dich somit. Dein Anspruch an Dich selbst und andere ist vermutlich sehr hoch.

Hast Du Deine innere Stimme erkannt?



Schritt Nr. 2 - Reflexion


Wie eine Redensart so schön sagt: Erkenntnis ist der erste Schritt zur Besserung. Die Antreiber sind per se nicht gut oder schlecht, daher ist es umso wichtiger für Dich zu verstehen, wann und wo sie bei Dir aktiv sind.

Daher ist es im nächsten Schritt hilfreich, Deine eigenen Antreiber besser kennenzulernen, und zu reflektieren, wo und wann sie nützlich oder hinderlich sind. Dazu kannst Du Dich einfach im Alltag beobachten und darauf achten, wann einer oder mehrere Deiner Antreiber spürbar sind. Notiere Dir kurz die Situation, was Dein Antreiber "Dir gesagt" hat und wie es Dir damit ging. Folgende Fragen können Dir dabei helfen:

  • Was ist in der Situation passiert? Wer war involviert?

  • Welcher Antreiber war hier aktiv?

  • Wie hast Du Dich in der Situation gefühlt?

  • Was war positiv an dem, was der Antreiber gesagt hat, was negativ?

  • Welcher hinderliche Glaubenssatz verbirgt sich hinter diesem Antreiber?

Auch hier kann ein Blick von außen hilfreich sein. Teile Deine Gedanken mit den Menschen um Dich herum und bitte Sie, Dir bei der Beobachtung Deiner Antreiber zu helfen. Vielleicht ist es Dir gar nicht bewusst, dass gerade einer der Fünf aktiv ist und von außen betrachtet ist es leichter erkennbar.



Schritt Nr. 3 - Action


Nimm Deine Reaktionen wieder selbst in die Hand und versetze Dich in die Lage, aktiv und bewusst auf verschiedene Situationen zu reagieren. Wenn Du demnächst einen der bekannten Sätze hörst, dann kannst Du Dir ganz bewusst überlegen, wie Du mit diesem Antreiber umgehen möchtest. Vielleicht unterstützt er Dich gerade positiv bei etwas, das Du erreichen möchtest, vielleicht hemmt er Dich jedoch auch in der Situation oder erhöht Dein Stresslevel. Je nachdem was der Fall ist, kann Du aktiv entscheiden, ob Du auf Deinen Antreiber hörst, oder nicht.


Um besser mit Deinen Antreibern umgehen zu können, ist es eine schöne Übung sogenannte Erlauber-Sätze zu erstellen, die den häufig negativen bzw. hinderlichen Glaubenssätzen eine positive Erlaubnis entgegen stellen. Für "sei perfekt" könnte ein Erlaubersatz z.B. "Ich bin, so wie ich bin, gut genug" lauten. Die "richtigen" und wirkungsvollen Erlauber-Sätze zu finden ist nicht immer ganz einfach und etwas wo eine externe Unterstützung z.B. durch eine/n Coach auf jeden Fall hilfreich ist.


So klein und unscheinbar die Antreiber vielleicht auf den ersten Schritt erscheinen, so mächtig und einflussreich sind sie häufig in unserem Leben. Daher lohnt es sich, immer wieder einen Blick auf sie zu werfen. Denn schon Viktor Frankl sagte:

„Zwischen Reiz und Reaktion liegt ein Raum. In diesem Raum liegt unsere Macht zur Wahl unserer Reaktion. In unserer Reaktion liegen unsere Entwicklung und unsere Freiheit.“

Viel Spaß bei Deiner Entwicklung und auf Deinem Weg zu bewussteren Entscheidungen!

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